Sie sind da, sie werden laufend verbessert und erweitert, und sie werden von den Rechts-abteilungen angenommen: Legal Tech-Services und Solutions halten Einzug in die juristische Arbeitswelt. Betriebswirtschaftlich gedacht ist ihre Einführung überall dort sinnvoll, wo kostenintensive Anwaltszeit durch repetitive, nicht oder wenig herausfordernde Aufgaben verschwendet wird. Auch die Supportfunktionen können entlastet werden.

 

Das heißt freilich nicht, dass die Rechtsabteilung künftig die gesamte Palette der Legal Tech-Services und Solutions vorhalten muss. Vor die Entscheidung „Make or Buy“ ge-stellt, werden insbesondere kleine und mittlere Rechtsabteilungen die Zusammenarbeit mit einem oder mehreren externen Anbietern in Erwägung ziehen. Damit weist die Nutzung von Legal Technology sowohl nach Effektivitäts- als auch nach Effizienzgesichts-punkten eher Vor- als Nachteile auf.

 

Jeder vierte General Counsel ist unschlüssig, was er von Legal Tech halten soll

 

Um zu erfahren, ob und inwieweit sich die General Counsel dieser verbreiteten Meinung anschließen, baten wir um ihre Einschätzung, wie relevant Legal Tech für die Rechtsabtei-lung von morgen sein wird. Das Ergebnis ist eindeutig: 67,74 % der befragten Leiter Recht halten Legal Tech-Services und Solutions in der Rechtsabteilung künftig für unverzichtbar. Noch keine abschließende Meinung gebildet haben sich 25,81 %, mithin ein gutes Viertel der Teilnehmer. Eine Minderheit von 6,45 % hält Legal Tech hingegen in Zukunft für ent-behrlich.

 

Die meisten sagen: Ja, Legal Tech wird wichtig. Doch die meisten haben keine Strategie

 

Vor dem Hintergrund der eingeräumten Tatsache, dass fast 60 % der Rechtsabteilungen noch keine Legal Tech-Strategie erarbeitet haben (siehe Kapitel 2.1.4), ist die von den Juristen zugebilligte hohe Relevanz von Legal Technology für die Rechtsabteilung au-ßerordentlich bemerkenswert. Drei mögliche Erklärungen bieten sich ad hoc für diesen offensichtlichen Widerspruch an: Entweder sind die Rechtsabteilungen von der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Legal Tech überrollt worden und haben tatsächlich noch keine Zeit gefunden, eine adäquate Strategie zu entwickeln. Oder sie beschränken sich bewusst auf die Beobachtung der Entwicklung und wollen erst dann strategisch darauf antworten, wenn die Konturen des Marktes deutlicher erkennbar sind. Wenngleich höchst unwahrscheinlich, ist es außerdem zumindest denkbar, dass sich die Rechtsabteilungen von den IT-induzierten Veränderungen ein Stück weit überfordert fühlen und von daher (noch) passen müssen, wenn es gilt, dieser Innovation mit einer zielgerichteten Strategie zu begegnen.

 

Fazit: Für zwei von drei Leitern der Rechtsabteilung (67,74 %) steht fest, dass sie künftig Legal Technology-Services und Solutions werden einsetzen müssen. Kaum weniger räu-men allerdings ein, noch keine dahingehende Strategie entwickelt zu haben. Der hier zum Ausdruck kommende Widerspruch birgt das große Risiko, ohne klare Zielvorstellung die neue juristische Welt betreten zu müssen.